GESCHICHTE DER PEACE GAMES

Großmeisterin Marilyn Cooper aus CA/USA trainiert seit Mitte der 1960er Jahre Kung Fu und leitet seit 1980 eine eigene Schule für chinesische Kampfkunst mit einem Fokus auf Förderung von Gesundheit und Gewaltprävention. Ihre Lehrer waren Sifu Kuo Lien Ying und Großmeister Peter Kwok. Nach dem tragischen Morden an Kindern an der Columbine High School 1999[1] begann sie in der Schule ihres jüngsten Kindes „Taiji for Kids“ zu unterrichten. Nach 15 Jahren Taiji -Bewegungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen entwickelte Cooper aus ihrem umfangreichen Wissen und ihrer Praxis in Northern Shaolin, Taijiquan, Qigong und Bagua ein vereinfachtes Bewegungskonzept aus 9 aufeinander abgestimmten Solo-, Partner- und Gruppenspielen,und nannte es „Tai Chi Peace Games“. In den Folgejahren praktischer Anwendung der Peace Games verfeinerte und entwickelte Sie ihr Konzept weiter und gründete die NGO Pushing for Peace. Als deren Präsidentin trägt Marilyn Cooper ihre Botschaft weiter mit unvermindertem Engagement in die Welt.

[1] Columbine High School – Massaker 1999 bei dem zwei Jugendliche in einem Amoklauf, der noch viele Nachahmer fand, zahlreiche Mitschüler und Lehrer ermordeten und verletzten.

Go to the people. Live with them. Learn from them. Start with what they know; build with what they have. But with the best leaders. When the work is done, the task accomplished, the people will say, we have done this ourselves! (Lao Tzu 700 BC)

Während der Corona Pandemie 2020 wurde Doris Nachtlberger über Social Media auf das Projekt Pushing for Peace aufmerksam und nahm mit Marilyn Cooper Kontakt auf. In Erkenntnis und Anerkennung des großen Potential der“Peace Games“ entschloss sie sich das Projekt zu unterstützen und nach Österreich zu holen. Nach umfangreichen Vorbereitungsarbeiten gelang es 2023 eine Initialveranstaltung „The Peace Games – Conference“ in Wien durchzuführen, bei der GM Marilyn Cooper 16 Teilnehmer_innen in ihr Konzept der „Tai Chi Friedensspiele“ einführte.

Doris Nachtlberger wurde von Marilyn Cooper ermächtigt und beauftragt die Samen der „Tai Chi – Friedensspiele“ weiter zu verbreiten und Interessierte zu „Peace Games Practitioners“ auszubilden.

PÄDAGOGISCHES KONZEPT

Die Spiele wurden mit der Absicht entwickelt, bei den Übenden die Erfahrung friedlicher Verbundenheit mit anderen zu ermöglichen und dabei Entspannung und Ausgeglichenheit zu fördern.  Um ihr Konzept weiterzuverbreiten, begründete Cooper mit Gleichgesinnten die NGO „Pushing for Peace“. Die „Peace Games“ wurden verfeinert und fanden weltweit Verbreitung: überall dort, wo Bedarf an Förderung von Gemeinschaft und psychosozialer Gesundheit besteht.

Das pädagogische Bewegungskonzept hat gezielt keinen kompetitiven Charakter und verzichtet auf aggressions- und stressfördernde Bewegungsabläufe wie zB. Angriff und Verteidigung, Nachlaufen oder Versteckspielen. Die spielerischen Übungen sind vielmehr geeignet bei Menschen jeden Alters (ab 2 Jahren) das subjektive Stressempfinden zu verringern, bzw. die Stressresilienz zu erhöhen.

Im Unterschied zu Sport – bzw. Wettkampforientierten Bewegungsangeboten, erleben die Teilnehmenden der PG den anderen nicht als Gegner, den man besiegen muss, sondern erleben und erfahren ein partnerschaftliches wie respektvolles Miteinander.

Das Konzept der PG ist darauf ausgerichtet, bei den Spielenden Körper, Geist und Seele im gemeinsamen Tun zu harmonisieren. Auf dieser Grundlage werden über das gemeinsame, Bewegen, Begegnen und Besinnen das menschliche Mitgefühl fördernde Botschaften  kultiviert und gewaltpräventive Samen gelegt, die nicht nur auf kognitivem Verständnis, sondern auch auf körperlich positiv gefühltem Erleben wachsen können.

Die exotisch- attraktiven Übungen sind lustig und leicht zu erlernen und nicht anstrengend. Die Bewegungsabläufe beinhalten Elemente aus Systemen traditioneller chinesischer Kampfkünst wie Taiji, Shaolin Kung Fu, Bagua, taoistischer Mediation und Qigong.

Sie werden allein und im dynamischen Miteinander ausgeführt. Alle Übungen schaffen Raum für eine freundliche Selbst- und Fremdwahrnehmung. Gleichzeitig wird eine aufmerksame Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst und miteinander geschult.

Durch dieses neuartige körper- und bewegungsbasierte Erleben werden den Teilnehmenden Erfahrungen der Erdung, Zentrierung, natürlichen Entspannung und lebendigen Freude ermöglicht, was die Einsicht, Fähigkeit und Bereitschaft zu einer friedvollen und mitfühlenden Grundhaltung fördert. Der Spielecharakter der Übungen soll den Teilnehmenden Spaß und Freude bereiten und bildet somit ein zusätzliches methodisches Tor zu einem herzlichen Miteinander.

ZIELGRUPPEN

Die PG werden traditionell als gewaltpräventive Maßnahme, zB. an Brennpunktschulen, aber auch in Flüchtlingslagern – generell überall dort, wo es darum geht die „Grenzen in den Köpfen der Menschen in Form von Feindbildern aller Art“ zu überwinden und das Gemeinsame im Menschsein unter Bejahung von deren Vielfalt und Diversität zu fördern.

Die PG sind für Jung und Alt und auch für Menschen mit Behinderungen geeignet und erfordern bei den Teilnehmenden weder besondere körperliche noch intellektuelle Begabungen. Es sind keinerlei Vorkenntnisse über chin. Kampfkünste notwendig. Die Spiele können schon mit 2 Teilnehmenden gespielt werden und sind auch für sehr große Gruppen geeignet. Das Programm ist sowohl für die Anzahl der Teilnehmenden als auch auf deren Altersstufe flexibel geeignet und anpassbar.

Als ergänzende körper- und bewegungsorientierte Intervention haben sich die PG auch im psychotherapeutischen Kontext und im Coaching von Menschen bewährt, einerseits um der Arbeitsbeziehung zur Klientel einen neuen Zugang zu verschaffen (Beziehungsarbeit), oder aber, um innere Prozesse sichtbar/bewusst zu machen und auch einer gewünschten Veränderung zuzuführen. Die Spiele können dabei auch in größere Gruppenlernprozesse (z.B. Teambuilding) als wichtige Teilerfahrungsmöglichkeit integriert werden.